Energie neu denken

Ausgabe vom 05.02.2021

Handelsblatt

Für eine kohlenstofffreie Zukunft

Die Welt macht sich frei von fossilen Energieträgern. Nach aktuellen Zahlen der Forschungsorganisation BloombergNEF (BNEF) seien 2020 insgesamt 501,3 Milliarden US-Dollar in die Energiewende investiert worden. Die Summe umfasst Investitionen in kohlenstoffarme Anlagen, Erneuerbare Energien, Elektromobilität, Energiespeicher und elektrische Wärme. Erstmals ist damit die Marke von 500 Milliarden US-Dollar überschritten worden – ein Plus von neun Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Dass der Ausbau der weltweiten Energiewende trotz der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Störungen durch die Corona-Pandemie voranschreitet, ist ein gutes Zeichen. Denn um die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 um bis zu 95 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zurückgefahren werden. Das geht nur mit einer kohlenstofffreien Energielandschaft. Wie die aussehen könnte, und welchen Herausforderungen sich Deutschland beim Umbau der Energiebranche stellen muss, lesen Sie auf den folgenden Seiten.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Lektüre!

 

Sauberes Fliegen

Klar, wir fliegen alle gerne in den Urlaub. Doch in den vergangenen Jahren überkam uns beim Besteigen des Flugzeugs immer öfter neben der Freude auf die vor uns liegenden und wohlverdienten Urlaubsabenteuer auch ein Unbehagen ob der ökologischen Belastungen des Fliegens auf die Umwelt. Flugscham nennt man dieses Phänomen. Das könnte sich in Zukunft aber ändern: Denn mittels eines spezialisierten Katalysators soll künftig Kohlendioxid aus der Atmosphäre gezogen und zum Flugzeugtreibstoff weiterverarbeitet werden. Das ist zumindest die Vision von Benzhen Yao. An der Oxford University forscht Yao an einem solchen Katalysator, der CO2 in langkettige Kohlenwasserstoffe umwandelt, mit denen schließlich die Düsenmaschinen betankt werden könnten. In einem Versuch gelang es ihm nun, fast die Hälfte des genutzten CO2 umzuwandeln – nur fünf Prozent endeten als Kohlenmonoxid und zehn Prozent als Methan. Und das mit alltäglichen Materialien wie Zitronensäure und Wasserstoff. Sollte sich ein solches Verfahren durchsetzen, könnten wir endlich wieder ohne schlechtes Gewissen in den Urlaub fliegen.