Gesundheit 4.0

Ausgabe vom 28.04.2022

Handelsblatt

Gesund in die Zukunft

Die vergangenen beiden Pandemiejahre haben eindrücklich gezeigt: Deutschland braucht ein rundum digitalisiertes, flexibles und krisenfestes Gesundheitssystem. Ein Gesundheitssystem, in dem Informationen in Echtzeit zur Verfügung stehen, in dem Daten digital statt mit antiquierten Geräten übermittelt werden, in dem KI bei der Auswertung relevanter Gesundheitsdaten hilft und in dem in einer akuten Gesundheitskrise Zahlen zu Infektionen und Krankenhausbettenbelegung immer aktuell, verlässlich und valide sind. All das, so hat es die Coronapandemie aufgedeckt, kann das deutsche Gesundheitssystem derzeit nicht leisten.

Doch Corona hat auch für einen Schub gesorgt: Zwar wurde die Grundlage für Digitalisierung und Innovationen im Gesundheitssystem mit den neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen wie dem Krankenhauszukunftsgesetz oder dem Digitale-Versorgung-Gesetz bereits vor der Pandemie geschaffen. Innovative Technologien machen sich aber bereits im Alltag von Gesundheitsdienstleistenden breit. So assistieren in manchen Krankenhäusern bereits Roboter bei der OP, in anderen dokumentieren Pflegekräfte den Zustand ihrer Patienten mit Smartphone oder Tablet, Hausärzte sind via Telemedizin virtuell ansprechbar, und Versicherte nutzen verschreibungspflichtige Apps als Behandlungsergänzung. Was heute schon möglich ist und wo wir dringend und vor allem schnell besser werden müssen, lesen Sie auf den folgenden Seiten. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre!

Doktor KI

Wer Krankheiten erfolgreich kurieren will, muss wissen, wie sie entstehen. Das gilt nicht nur für Virusinfektionen wie Covid-19. Es sind vor allem Erkrankungen wie Krebs oder Alzheimer, die Medizinern und Forschenden noch immer Rätsel aufgeben – deren Entstehungsmechanismen und Behandlungsoptionen sie aber dank innovativer Technologien immer besser verstehen. Wissenschaftler des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts haben nun gezeigt, was modernste digitale Technologien für die Medizin leisten können. Ihnen ist es gelungen, durch die Kombination eines Deep-Learning-Modells mit herkömmlichen algorithmischen Methoden der Entschlüsselung des Proteoms, also der Gesamtheit der Proteine im menschlichen Organismus, näherzukommen. So konnten sie Phosphopeptid um bis zu 15 Prozent besser identifizieren als herkömmliche Methoden. Das ist ein wichtiger Schritt, um eines Tages sämtliche Proteine im Organismus genau zu bestimmen. Dann wären Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs besser und individueller therapierbar.