Handel ist Zukunft!

Digital, nachhaltig, menschennah

Ausgabe vom 04.06.2021

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Lob in der Komfortzone

Im Fokus der Corona-Krise wechselt der Handel immer stärker vom Angebots- zum Nachfragemarkt. Die Annehmlichkeiten bestimmter Services haben Verbraucher kennen- und schätzen gelernt. Letztendlich entscheidet er über Umsatz und Erfolg des Handels, in dem er in den Komfortzonen von Einfachheit, Schnelligkeit und Sicherheit den bequemsten Zugang zu den gewünschten Waren wählt. Könnte sein, dass wir diese zur Gewohnheit gewordene Verhalten kaum wieder ablegen. Den Schlüssel dafür liefert die digitale Transformation. Dabei dürfen wir nicht die Kunden vergessen, die weniger computeraffin sind. Belohnen wir den Fortschritt der Kunden. Wenn Händler sie im Kaufprozess aktiv begleiten und die durchgeführten Schritte kommentieren, sinkt die Abbruchrate. Lob schüttet Endorphine aus und hebt beim Kunden die Begeisterung. Es geht nicht alleine darum, einen besonders gut funktionierenden Online-Shop zu führen, sondern auch, dass es allen Spaß macht, ihn zu benutzen.

Erzählung und Zahlung

Corona hat manche Daseinsberechtigung von stationären Geschäften in Frage gestellt. Vor allem in Randzonen und weniger frequentierten Ecken wird das Überleben immer existenzieller. Kommunen kämpfen andrerseits für den Erhalt der Kaufkraft, wollen die Attraktivität der Kernregionen retten. Dabei übernehmen Internet und E-Commerce zunehmend die komplette Kompetenz. Und: Der Durchschnittsbürger hat schon fast alles, die Schränke bersten vor Überfluss. Eine von ebay lancierte Studie ergibt, dass in Haushalten gut 217 ungenutzte Gegenstände im Gegenwert von 3.223 Euro lagern. Aus der Erkenntnis, dass der stationäre Handel nicht länger der Versorger der Republik ist, wandert begehrte Kundschaft ab in Zonen, die Erlebnisse, Entdeckungen, kleine Abenteuer versprechen. Retail spielt aktuell alle Varianten des Entertainments. Es gilt – unter Beteiligung visionärer Planer – aus der Kombination von Nische, Wertigkeit, Muße und Unterhaltung sowie Tradition und Moderne eine Geschichte zu erzählen. Heißt: Mehr Storytelling! Passt dies alles zusammen in eine analoge wie digitale Präsentation, bleibt ein für den Moment einzigartiges Erlebnis hängen. Auch wenn die Schubladen voll sind.