Stadt der Zukunft

Ausgabe vom 16.12.2019

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Nach Meinung des britischen Schriftstellers J.G. Ballard werde „der Flughafen die wahre Stadt des 21. Jahrhunderts sein“. So gesehen ist der Berliner Flughafen die missglückte Utopie einer „Stadt der Zukunft“. Ein Ort, der längst gescheitert zu sein scheint, der aber immer wieder eine Chance erhält, nur um erneut zu scheitern. Was soll‘s, der Berliner an sich ist dystopieerprobt – die grusligen Überreste der gescheiterten kommunistischen Utopie lassen sich im alten Staatssicherheitsgefängnis besichtigen. Abrupt endende Autobahnen, ehemals besetzte Häuser und Brachgelände erzählen vom Scheitern Westberlins als „autogerechte Stadt“. In den demokratietauglich reparierten Überresten der Idee einer faschistischen Welthauptstadt spielt ein mittelmäßig talentierter Verein Fußball. Und das Zentrum der untergegangenen Kaiserstadt wird als Fake-Schloss wieder errichtet.

Die Magie der Metropolen

Im Sommer sprachen wir auf einer Redaktionskonferenz das erste Mal ausführlich über die „Stadt der Zukunft“-Publikation. Damals beschloss unsere Redaktion auszuschwärmen, die Augen offen zu halten, das Thema aus möglichst vielen Perspektiven zu recherchieren. In den vergangenen Wochen sammelten wir unsere Ergebnisse. Wir hatten mit Zukunftsforschern gesprochen, mit Energieexperten, Demonstranten und Politikern. Gemeinsam mit Science-Fiction-Autoren über Utopien und Dystopien diskutiert. Bilder und Grafiken, Artikel und Pamphlete in Bibliotheken, Galerien und Museen recherchiert. Ohne Zweifel waren wir diesen Herbst über der Magie der Metropolen verfallen. Aus hunderten Mosaiksteinen galt es die herauszusuchen, aus denen wir schließlich mögliche Bilder unserer Zukunft zusammengesetzt haben. Nun hoffen wir, dass ein Funke dieser Begeisterung auf unsere Leser überspringt.