Verpackung 4.0

Nachhaltig und innovativ in die Zukunft

Ausgabe vom 22.03.2022

Handelsblatt

Verpackung neu denken

Der schnelle Kaffee für zwischendurch kommt im To-go-Becher daher, die frischen Erdbeeren warten in der durchsichtigen Plastikschale im Supermarkt auf Käufer, und die Zahnpasta wird morgens einfach aus der Tube gedrückt – klar, Verpackungen sind aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Hinzu kommen die unzähligen Päckchen und Pakete, die aufgrund der Zunahme des E-Commerce tagtäglich versendet werden.
All diese Verpackungen dürfen wir nicht achtlos wegwerfen. Denn sie sind kein Müll, in ihnen stecken vielmehr wertvolle Rohstoffe, die es zu bergen und wiederzuverwerten gilt. Aus diesem Grund werden auch die Abfallrichtlinien immer weiter verschärft: Seit vergangenem Juli ist der Handel mit Wegwerfprodukten wie Einwegbesteck und -tellern, Wattestäbchen und Strohhalmen, To-go-Bechern und Einweg-Lebensmittelbehältern aus Styropor europaweit verboten. Seit Januar sind zudem alle Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff pfandpflichtig. Und ab dem kommenden Jahr müssen Caterer, Lieferdienste und Restaurants für Essen und Getränke zum Bestellen und Mitnehmen Mehrwegbehälter anbieten. All diese Richtlinien sollen zu mehr nachhaltigen und recycelbaren Verpackungen führen, die nach dem Einsatz schnell in neue Produkte transformiert werden können. Mehr dazu lesen Sie auf den kommenden Seiten. Wir wünschen Ihnen  viele neue Erkenntnisse bei der Lektüre!

Gegen die Plastikflut

Bis Oktober schipperte die „Circular Explorer“ über die Ostsee und sammelte rund um Fehmarn Geisternetze aus dem Meer. Im März hat der Katamaran nun in der Bucht von Manila den Kampf gegen den Plastikmüll aufgenommen. Das Meer rund um die Philippinen gehören zu den am stärksten verschmutzten Gewässern der Welt. Das will der kleine Katamaran nun ändern. Allein mit der Kraft der Sonne angetrieben, fischt er täglich bis zu vier Tonnen Plastikmüll aus dem Ozean. Er ist damit Teil einer kleinen Flotte von elektrisch betriebenen Müllsammelschiffen, die von der Umweltorganisation „One Earth – One Ocean“ (oeoo) eingesetzt werden, um die Meere vom Plastikmüll zu befreien. Derzeit sind sie in Kambodscha, Brasilien, Indonesien, Ägypten und bei den Philippinen im Einsatz.
Ab 2024 bekommen sie zusätzliche Unterstützung: Dann soll der umgebaute Mehrzweckfrachter namens „SeeElefant“ in Betrieb gehen. Er kann nicht nur Müll sammeln, sondern diesen direkt in Energie umwandeln. Die Einsätze der Müllsammelschiffe dienen aber nicht nur der Beseitigung von Plastikmüll aus den Meeren. Das eingesammelte Plastik soll anschließend wiederverwertet oder zu Öl rückverwandelt werden. Gleichzeitig will oeoo das Bewusstsein für den Umweltschutz vor Ort stärken – denn schließlich soll der Kampf gegen Plastik im Ozean auch dann weitergeführt werden, wenn die Schiffe in andere Gefilde weitergezogen sind.