Wasser

Lebenselixier, Naturgewalt und Lebensraum

Ausgabe vom 22.03.2022

Handelsblatt

Kostbares Gut

Wenn wir über die Folgen des Klimawandels sprechen, geht es fast immer auch um Wasser. Starkregen führt zu verhängnisvollen Überschwemmungen, Stürme zu Sturmfluten. Hitzewellen gehen mit Dürren und Ernteausfällen einher. Mehr und mehr erkennen wir, wie vielschichtig die Themen rund um das Wasser sind. Viele Infrastrukturen müssen im Rahmen der Klimaanpassung modernisiert werden. Lösungen müssen für Regionen gefunden werden, in denen Wasser knapper wird. Die Industrie muss die Verfügbarkeit von Wasser als Standortfaktor immer ernster nehmen. Aber auch die Bedeutung der Qualität des Wassers darf nicht unterschätzt werden. Sauberes Trinkwasser ist das wichtigste Grundnahrungsmittel für uns Menschen. Die Aufbereitung wird aber immer aufwendiger, und oft sind neue Maßnahmen erforderlich. In dieser Ausgabe wollen wir Ihnen einige der spannenden Themen rund um das Wasser näherbringen und Lösungen für einige der Herausforderungen aufzeigen. Und wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie kostbar das Gut Wasser für uns alle ist. 

Energiewende aus dem Abwasserkanal 

Wasser ist ein begehrtes und wertvolles Gut. Aber Abwasser? Wie man aus Schmutz- und Niederschlagswasser einen Beitrag zur Energiewende machen kann, zeigen in Berlin die Kooperationspartner E.ON, Signa Real Estate und Berliner Wasserbetriebe. Rund 50 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs eines Bürogebäudes in der Nähe des Ostbahnhofs decken sie mit Abwasserwärme. Abwasser hat eine ganzjährig konstante Temperatur von bis zu 20 Grad Celsius. Diese Wärme wird normalerweise ungenutzt ins umliegende Erdreich abgegeben. Möglich ist aber auch, über einen Edelstahlwärmetauscher dem Abwasser die vorhandene Wärme zu entnehmen. Über eine Großwärmepumpe wird dann die gewonnene Wärme erhöht, um so das Gebäude zu beheizen. Im Sommer wird das Prinzip umgekehrt, und der Abwasserkanal kann als effiziente Kältequelle genutzt werden. In Deutschland könnte aus Abwasser gewonnene Energie rechnerisch 14 Prozent des Wärmebedarfs im Gebäudesektor abdecken. Abwasserwärme ist also ein Baustein der Energiewende im Wärmesektor.