Wohin mit dem Geld?

Investmentstrategien in volatilen Zeiten

Ausgabe vom 19.07.2022

Handelsblatt

Gemeinsam surfen

Sommerlaune bestimmt die Gespräche. Die Rede ist von Urlaub und Ferien, die Parks sind voll, die Strandkörbe längst ausgebucht, Surfer und Segelschiffe gehen auf Kurs. Aus „Bleiben Sie gesund!“ wird aktuell: „Einen schönen Urlaub noch!“ Auch wenn der Krieg in der Ukraine die Zivilgesellschaft erschüttert und das Land sich langsam einer neuen Wirklichkeit gegenüberstehen sieht, dominiert die Gelassenheit. Vage Unsicherheiten bleiben dennoch bestehen. Mit dem aktuellen krisenhaften Geschehen wird manchem Marktteilnehmer klar, was an Versäumnissen aufgeholt werden muss.

Zu erwähnen seien vor allem die verschlafene Umstellung der Wirtschaft auf erneuerbare Energien, die zunehmende Abhängigkeit von Rohstoffen und vielleicht ein westliches Pendant für die schon vor zwölf Jahren geschaffene Seidenstraße. Mit dem Aufräumen innerhalb der weltweiten Lieferketten, unter denen besonders deutsche Weltmarktführer leiden, sollte jedenfalls schnell begonnen werden. Surfen Unternehmer, Wissenschaftler und Politiker gemeinsam in dieselbe Richtung, vielleicht hart am Wind, freuen sich Investoren, Anleger und Sparer über gute Renditen.

Audienz bei Dr. Copper

Versehen mit einem „Ph.D.“ werden dem Metall Kupfer hellseherische Qualitäten nachgesagt. Es sei in der Lage, Wendepunkte der Weltwirtschaft vorherzusagen. Aufgrund seiner breiten Anwendung in vielen Wirtschaftssektoren – von Haushalten und Fabriken bis hin zu Stromversorgung – sei Kupfer ein zuverlässiger Frühindikator für wirtschaftliche Gesundheit. In einer Studie untersuchte ABN AMRO 2014 die Korrelation zwischen Kupferpreis und einer Reihe von Größen der globalen Ökonomie. Die Analyse zeigt einen engen Zusammenhang zwischen Kupferpreis und Welthandel, BIP-Wachstum in China, USA und EU sowie den Öl- und Goldpreisen.

Aktuelle Diagnose: Von einer positiven Wirtschaftserwartung getragen, zog die Nachfrage zu Beginn dieses Jahres leicht an. Dann infizierten schlechte Nachrichten den Markt. Es herrsche eher Pessimismus, teilt Dr. Copper mit. Der Preis pro Pfund dümple bei niedrigen zwei Euro wegen China-Fieber und Europa-Husten. Läuft wohl auf eine Krankschreibung hinaus.